Pendeln? Gern, aber bitte nur kurz!

Letztens habe ich einen amerikanischen Kinofilm aus den frühen 90er Jahren gesehen und musste arg schmunzeln. Denn einer der Charaktere, ein Verkehrsplaner, hatte ein Herzensprojekt: Den „Superzug“. Sein Superzug sollte es den Pendlern schmackhaft machen, das geliebte Auto stehen zu lassen und alle möglichen Annehmlichkeiten des Zuges zu nutzen, um so endlich dem Verkehrskollaps auf den Straßen entgegenzuwirken. Wir schrieben das Jahr 1993 und befanden uns in Seattle.

Gerade ist wieder der Deutsche Glücksatlas der Deutschen Post erschienen. Und wie schon in den letzten Jahren kann man erst einmal sagen: So unzufrieden sind wir Deutschen gar nicht! Die Lebenszufriedenheit in Deutschland ist sogar vergleichsweise gut, am besten in den Regionen zwischen Nord- und Ostsee.
Und ein interessantes Special gibt es dann in der diesjährigen Studie auch zum Thema Arbeit und Mobilität. Sofort ins Auge gesprungen ist mir dabei die Statistik zur Auswirkung der Länge des Arbeitsweges auf die Lebensqualität. Diese deckt sich nämlich mit den Erfahrungsberichten in meinen Veranstaltungen: Kurze Arbeitswege bis 20 Minuten wirken sich positiv aus (sie helfen beim Abschalten und einer Trennung zwischen Arbeit und Privatleben), ab 40 Minuten Arbeitsweg kehrt sich der Effekt jedoch um: Dann beurteilen wir den Weg als „verlorene Lebenszeit“ und „stressig“. Auch 25 Jahre nach der Idee des Superzugs sind wir also auch hierzulande doch noch ziemlich weit entfernt von einem solchen, steigen weiterhin lieber allein in unser Auto statt gemeinsam, und sorgen so für volle Straßen, Staus und lang andauernde Arbeitswege.
Und so überrascht es nicht, dass das Auto bei uns nach wie vor das mit Abstand am meisten genutzte Verkehrsmittel der Berufspendler für den Arbeitsweg (68%) ist. Interessant dabei: Wir stehen nachhaltigen Mobilitätsangeboten (Elektroauto, Carsharing) durchaus offen gegenüber, nutzen sie aber noch kaum. Was sicher auch an den noch suboptimalen Rahmenbedingungen liegt.

Zur kompletten Studie und weiteren Statistiken geht es hier.
Foto: Pixabay

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